Karin Coch Praxis für Eutonie GA

100 Jahre Gerda Alexander

 

Anlässlich des 100. Geburtstages am 15.2.2008 zu Ehren von Gerda Alexander (1908 - 1994) 

     
haben die dänischen Kolleginnen
eine Bilderschau zusammengestellt.
Auf der Seite des dänischen Eutonie-Verbandes unter  www.eutoni.dk/gerda-alexander/
finden Sie zahlreiche Fotos mit Erklärungen aus dem bewegten und bewegenden Leben

Gerda Alexanders
(auch auf deutsch, dazu oben rechts "auf Deutsch" und dann "Die Bilder" klicken).

 

Karin Coch, "Ein spannendes Vermächtnis"
    Aufsatz zum 100. Geburtstag der großen Meisterin

"Unser Ziel ist, den Menschen in die Lage zu versetzen,
sich auf die Wirklichkeit des Augenblicks einzustellen."

Diesen Satz prägte Gerda Alexander, die Begründerin der Eutoniepädagogik und Eutonietherapie.
Sich einstellen auf die Wirklichkeit des Augenblicks erfordert Klarheit für die eigene Identität,
eine entwickelte Wahrnehmungsfähigkeit, gutes Bewusstsein für Grenzen, eine hohe soziale

Kompetenz und eine große Flexibilität und Reaktionsfähigkeit.
Die damit verbundene Tonusflexibilität befähigt den Menschen den Anforderungen des Alltags
besser zu genügen. Sich auf die Wirklichkeit des Augenblicks einzustellen, bedeutet keineswegs

sich bedenkenlos allen Situationen anzupassen, sondern verlangt ein hohes Maß an
Verantwortungsbewusstsein für sich und andere.
 
Gerda Alexanders persönliche Stärke war ihre Fähigkeit zur Tonusadaption. Sie konnte sich
in andere Menschen einfühlen, deren körperlich-seelische Spannung und Gestimmtheit
nachempfinden und darauf angemessen reagieren. Die Entwicklung der Eutonie ist
Gerda Alexanders Lebenswerk. Eutonie GA löst Fehlspannungen, befähigt zum gesunden
körperlich-seelischen Ausdruck und fördert die Entwicklung der Persönlichkeit durch
körperliches Erleben. Sie hat eine große soziale und emanzipatorische Wirkung.
 
Gerda Alexander wäre am 15.2. 2008 100 Jahre alt geworden. Sie kam aus einer künstlerischen,
musikalischen Familie. Ihre Eltern haben ihre künstlerischen Neigungen sehr früh unterstützt.
Sie wurde in den zwanziger Jahren von Otto Blensdorf ausgebildet, der als Rhythmik- und
Gymnastiklehrer zahlreiche Kinder-, Spiel- und Tanzlieder entwickelte und aus der Schweizer
Jaques Dalcroze- Schule kam. Schon als Kind ging die kleine Gerda mit Begeisterung
"zu dem Herrn Blensdorf", der ihr musisches Talent förderte. Später arbeitete sie eng mit

Otto Blensdorf und seiner Tochter Charlotte Blensdorf - Mac Jannet zusammen
(weitere Informationen zu O. Blensdorfs Lebenswerk im Internet).
 
Als Rhythmik- und Gymnastiklehrerin fing Gerda Alexander in der Zeit der Reformpädagogik an, Körperbewusstsein, Rhythmik und Bewegung zu vermitteln. In ihrer Arbeit propagierte sie die Eigenverantwortlichkeit für den Körper, die Gesundheit und das soziale Miteinander. Schon
während ihrer Ausbildung war sie an der freien Schule des Reformpädagogen Prof. Peter Petersen
der Universität Jena tätig und ließ sich von seinen pädagogischen Ideen inspirieren. Wie sie
in einem Interview sagte: "wurde anstelle der äußeren Disziplin der alten Schule die innere Disziplin
durch die Rhythmik bei den Schülern entwickelt. Es gab wohl selten eine Institution, die so auf
jeden einzelnen eingegangen ist und wo immer der Mensch im Zentrum stand." 1) Als sie Ende
der 1920iger Jahre in Dänemark am Fröbelseminar unterrichte, sah sie, dass Peter Petersens
Ideen im großen Rahmen in privaten und öffentlichen Schulen in Dänemark bereits realisiert wurden.
 
In ihrer Lehrtätigkeit stellte Gerda Alexander fest, dass SchülerInnen einer bestimmten Tanzschule
häufig nur den Stil ihrer jeweiligen Meister kopierten. Ihr war daran gelegen, die körperliche
Individualität ihrer SchülerInnen im Tanz zum Ausdruck zu bringen. Sie fing deshalb an,
die individuellen Eigenheiten für den körperlichen Ausdruck zu entdecken und zu erforschen.
Grundlage dafür war die Entwicklung der körperlichen Wahrnehmungsfähigkeit,
des Körperbewusstseins und die körperlich-geistige und seelische Einheit des Menschen.
Sie wurde zu einer der Pionierinnen der Körperarbeit, die Ausdruck und Bewegung suchten.
Nach dem 1. Weltkrieg entstanden vielfältige neue Methoden der freien Bewegung,
der Ausdruckstanz und die ganzheitliche Körperbildung.
 
Seit Ende der 1920iger Jahre unterrichtete sie in Kopenhagen. Obwohl sie 1933 einen Ruf
an das Schauspielhaus Berlin als Regieassistentin hatte, entschied sie sich, in Dänemark
zu bleiben. Sie ahnte, dass sie im faschistischen Deutschland mit ihrer Methode der individuellen
Persönlichkeitsentwicklung keine Chance haben würde. Sie gründete 1940 in Kopenhagen
ihre internationale Ausbildungsstätte, die vom dänischen Staat als Fachhochschule anerkannt
war und auch später zum Empfang von staatlichen Stipendien berechtigte. Dort hatte sie ein
internationales Publikum und bildete zunächst Rhythmik- und GymnastiklehrerInnen auf der
Grundlage ihrer neuen Entspannungstechnik und seit den 1950iger Jahren EutoniepädagoInnen
aus, die in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark
( www.eutoni.dk ), Schweden, Norwegen, Island, Italien, Israel, Südamerika,
den USA und Kanada als EutoniepädagogInnen tätig wurden.
 
1959 organisierte sie den ersten "Internationaler(n) Kongress für Entspannung und natürliche Bewegung" in Kopenhagen, an dem u.a. auch Moshe Feldenkrais, sowie die Tanzpädagogin Rosalia Chladek
und viele Ärzte und Psychologen aus den skandinavischen Ländern teilnahmen. Auf dem Kongress
stellte sie der damaligen Fachwelt ihre Methode vor, und nannte sie Eutonie.
 
Gerda Alexander war bis ins hohe Alter forschend und lehrend tätig.  Neben ihrer
Ausbildungstätigkeit in Kopenhagen reiste sie in europäische Länder, nach Israel und nach
Amerika, um Eutoniekurse zu geben und ihre Arbeit bekannt zu machen. Sie führte ein geniales,
künstlerisches Leben und hat in ihrer Arbeit Phänomene entdeckt, die später durch die neurologische
Forschung bestätigt wurden. Mit der Entwicklung der Eutonie GA war sie ihrer Zeit weit voraus.
Ihre Methode hat im Laufe der Jahre andere Körpermethoden und -therapien, Tanz- und
Rhythmikausbildungen beeinflusst. Sie hat im Laufe ihres Lebens mit Musikern, Schauspielern,
Tänzern, Filmleuten, mit Asthmatikern, Spastikern, Querschnittsgelähmten, mit Menschen,
die an Schlaflosigkeit, an Phantomschmerzen oder an einem Tick litten, gearbeitet.
Sie erlangte internationale Anerkennung von Pädagogen, Medizinern, Psychologen und
Psychiatern. Auch C. G. Jung interessierte sich für ihre Arbeit und suchte das Gespräch mit ihr.
 
Der Arzt Prof. Dr. Helmut Milz, der heute an der Universität Bremen lehrt und sich 1983 im Rahmen
seiner Forschungsarbeit durch eigene Erfahrungen von der Wirksamkeit der Eutonie überzeugen
konnte, schrieb: "Sie (die Eutonie) erweist sich als für ein breites Spektrum von psychosomatischen Erkrankungen bestens geeignet. Spezifisch sind hier depressive Syndrome, Angst- und
Panikerkrankungen, chronische Schmerzzustände, Tinnitus, sowie die Schulung eines
bewussteren Körperbildes bei Patienten mit schweren chronischen Essstörungen wie
Anorexia nervosa und Bulimia nervosa zu nennen. Aus meiner langjährigen Tätigkeit als
Arzt und als Berater der Weltgesundheitsorganisation in Fragen der Gesundheitsförderung
kann ich die Methode der Eutonie nach Gerda Alexander vorbehaltlos als wichtige Ergänzung

des Behandlungsspektrums im Bereich von körper- und bewegungstherapeutischen Maßnahmen
empfehlen. Sie hat nach meiner Kenntnis die solideste Ausbildungsgrundlage von allen mir
bekannten körpertherapeutischen Verfahren, achtet auf eine gründliche Supervision der
Auszubildenden nach ihrem theoretisch-praktischen Training und hat einen hohen ethischen
Standard."2) 2004 nannte Prof. Milz in einer Ansprache zum 30jährigen Bestehen der flämischen
Eutonie-Schule das Leben und Wirken Gerda Alexanders "ein spannendes Vermächtnis".
Ihr zu Ehren wird es am 1.11.08 in Wuppertal ein Symposium: "Eutonie im Wandel, beweglich sein
- Grenzen überschreiten" geben. Wuppertal ist Gerda Alexanders Geburtsstadt und die Stadt,
in der sie - nachdem sie ihre Kopenhagener Ausbildungsstätte 1987 aufgegeben hatte -
die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte.

 

   
  Gerda Alexander leitet zum eutonischen Geigenspiel an. die Tänzerin
Gerda Alexander
     
 

  Gerda Alexander in der Rolle
eines Gassenjungen.
Gerda Alexander 1984 in Straßburg

 


1) Aus einem Interview in den Mitteilungen der Deutschen Eutonie-Gesellschaft e.V.
Nr. 38, März 1996, S. 19 - 21
 
2) vergl. Prof. Dr. H. Milz  
www.helmutmilz.de/documents/Eutonie-einspannendesvermachtnis.pdf
 


Hamburg, März 2008

 

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Gelenkbeschwerden - Hilfe
durch Eutonie, fortl. Kurs ab
Mo, 19.3., 19h in HH-Bramfeld 
siehe Programmseite 

Wohlgespannt ins Wochenende
Fr, 20.4./25.5./22.6., 18.30 - 20.30 h
siehe Programmseite





Einzelstunden zum Spannungsausgleich
und zu Ihrem persönlichen Wohlbefinden.  
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